Tag-Archiv für 'universität'

Rassismus in der Jura-Klausur?

[06.01.] Ein Anwalt, der Angehörige der Opfer des NSU-Trios vertritt, hat das nordrhein-westfälische Landesjustizprüfungsamt kritisiert, da es in einer Examensklausur aus dem Jahr 2010 rassistische Klischees verbreitet habe. „Der Anwalt hält den Sachverhalt für eine Aufreihung ausländerfeindlicher Klischees. Er fürchtet, dass sich bei Nachwuchsjuristen so ein bestimmtes Migrantenbild verfestigen könne.“ Liebes Prüfungsamt: Bei der Erstellung der nächsten Klausuren besser gleich hier anfragen, wo die kritische Haltung direkt bei der Klausurerstellung mitgeliefert wird.

Recht Macht Geschlecht – Studientag an der FU Berlin

[31.01.] Am kommenden Freitag (03. Feb. 2012) findet an der FU Berlin unter der Überschrift „Recht Macht Geschlecht“ ein „Studientag zum Recht als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse“ statt. Nähere Infos zur Veranstaltung gibt es hier.

Guttbye: Ein Abschiedsgeschenk für Dr. Minister a.D.

Das Spektakel hat mittlerweile ein vorläufiges Ende gefunden: Die Plagiatsaffäre um die Dissertation des Karl-Theodor zu Guttenberg bewegte das Land, am Dienstag ist er vom Amt des Bundesverteidigungsministers zurückgetreten. Was zunächst als neuester Jura-Tratsch begann, entwickelte sich zu einem medialen Großereignis. Was da nicht alles im Laufe der Zeit ans Licht kam. Seitenweise soll der fränkische Baron abgeschrieben haben. Ausarbeitungen des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages soll er ebenso verwendet haben, ohne eine Genehmigung dafür eingeholt zu haben, was ihm den Vorwurf des Amtsmissbrauchs einbrachte.

Die aufkommende Kritik ließ der Minister an seinem gegelten Haupte abperlen. Zuerst bestritt er sämtliche Vorwürfe und wies sie als abstrus zurück. Als die Sache an Fahrt aufnahm, musste er einlenken und sicherte zu, seinen Doktortitel vorübergehend niederzulegen (was so gar nicht möglich ist). Später gab er zu, dass er da doch ziemlichen Blödsinn geschrieben (aber immerhin Blödsinn mit ’summa cum laude‘) habe, und bat quasi die Universität Bayreuth, ihm den Doktortitel abzuerkennen. So kam er der schmachvollen Aberkennung zuvor.

Die Kritik wurde immer lauter, er sei als Minister untragbar geworden, müsse zurücktreten, sei ein Hochstapler und Betrüger. Facebook-Gruppen wurden gegründet, sowohl von Unterstützer_innen als auch von Gegner_innen. Erboste Student_innen und Doktorand_innen wähnten den Wissenschaftsstandort Deutschland in Gefahr.

Ein großartiges Spektakel, das da aufgeführt wurde. Ich habe mich köstlich amüsiert. Das Volk streitet sich über die moralische Integrität des Personals der Herrschaft. Und die Opposition im Bundestag bietet sich als das bessere Herrschaftspersonal an, indem sie mit Verlautbarungen über das Kriterium ‚moralische Intergrität‘, wonach ein Politiker/eine Politikerin scheinbar beurteilt werden soll, um sich schmeißt. Eine großartige Veranstaltung, diese Anhörung im Bundestag, wo der Verteidigungsminister Rede und Antwort stehen sollte. Und ich musste herzlich lachen, wie die Vertreter_innen der Oppositionsparteien den Minister dann doch absichtlich immer mit „Dr. zu Guttenberg“ anredeten, obwohl er doch meinte, diesen Titel bereits abgelegt zu haben. Herrlich.

Jetzt ist diese ganze Posse ja erstmal vorbei, auch wenn die treue Anhängerschaft dieser Lichtgestalt noch nicht aufgeben mag. Aber an diesem vorläufigen Endpunkt der Causa Guttenberg erinnere ich mich an ihren Anfang. Den Stein ins Rollen brachte der Rechtswissenschaftler Andreas Fischer-Lescano, der die Dissertation für die ‚Kritische Justiz‘ rezensieren wollte und dabei feststellte, dass mehrere Passagen aus anderen Publikationen ohne Quellenangaben übernommen worden waren. Im weiteren Verlauf der Affäre spielte das gar keine Rolle mehr, zu Beginn waren einige Anfeindungen gegen Fischer-Lescano zu hören von den Beleidigten, die plärrten, ein linker Professor würde hier aus parteitaktischen Gründen die Demontierung ihres Heilsbringers vorantreiben. Aber diesen sei ein Wort Tucholskys ans Herz gelegt: „Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.“

Schließlich bleibt mir ja eigentlich nur, Andreas Fischer-Lescano und der ‚Kritischen Justiz‘ zu danken: Danke für das Spektakel. Kritische Wissenschaft ist hier einmal ganz praktisch geworden, sozusagen.

Und jetzt, da der Freiherr wohl etwas mehr Zeit hat, möchte ich einen konstruktiven Vorschlag zu seiner Freizeitgestaltung machen: Man sollte ihm ein Abo der ‚Kritischen Justiz‘ schenken.1 Vielleicht findet sich ja sogar jemand, der dafür eine Gruppe bei Facebook gründet und dort einen entsprechenden Aufruf startet. Die Lektüre einer kritischen Zeitschrift hat noch niemandem geschadet. Einen Gedanken, der mir dabei allerdings noch durch den Kopf geistert, verdränge ich ganz schnell wieder: Perlen vor die Säue.

  1. Zur Homepage: Kritische Justiz. [zurück]

Greifswald: Jura-Prof darf nicht mehr mit „Thor Steinar“ in die Uni

[09.09.] Wie bei Analyse, Kritik & Aktion zu lesen ist, hat die Universität Greifswald einem ihrer Jura-Profs untersagt, in der Uni Kleidung der Marke „Thor Steinar“ zu tragen. Sein abstruser Modegeschmack hatte ihm bereits den Beinamen „Professor Steinar“ eingebracht.

Bachelor bald auch für JuristInnen

Bei Spiegel Online erschien ein Artikel zu aktuellen Bestrebungen, den Bachelor auch für das Jurastudium einzuführen:

Die meisten Fakultäten bieten inzwischen Bachelor- Abschlüsse an. Nur die Juristen wehren sich erbittert. Doch auch ihnen droht die Kapitulation.

Demnach wollen einige Landesjustizminister die Juristen- ausbildung von Grund auf reformieren und Bachelor- und Master-Abschlüsse in Deutschland verbreiten.

Den ganzen Artikel lesen: „Die letzte Bastion“, Spiegel Online vom 11. August 2008.

Basisgruppe Jura reloaded!

Es gibt wieder eine Basisgruppe Jura an der Uni Göttingen! Nach einigen Jahren Pause gibt es jetzt wieder Bestrebungen, die Basisgruppe Jura neu zu beleben. Die ‚alte‘ Basisgruppe Jura gabs ziemlich lange, sicher über 20 Jahre. Im Jahre 2002 haben sie dann leider ihre Arbeit eingestellt. Zum Schluss hatten sie noch eine recht coole Homepage (allerdings das letzte Mal im Jahre 2000 aktualisiert, aber immer noch online!). Die ‚neue‘ Basisgruppe hat sich nun auch einen Internet-Auftritt verschafft: ihre (vorläufige) Web-Präsenz. Man darf gespannt sein, was da jetzt noch so kommt. Jedenfalls wird die Basisgruppe hier erstmal in der Blogroll verlinkt.