Nächtliches Kürzelchaos

Mit Rechtspolitik beschäftigen sich so manche, hin und wieder auch versprengte Blog-Schurken und -Schurkinnen. Und so kommt es vor, dass zu später Stunde ein ebensolcher müde vor dem Rechner sitzt und sich von Seite zu Seite klickt. Aber es hat keinen Zweck, die Rechtspolitik hat zu so später Stunde keine Bereitschaft mehr, ist zu Bett gegangen oder auf ein Bier nach nebenan. Themen aus dem Spannungsfeld von Recht und Politik gibt es morgen wieder. Ach nein, es ist ja Wochenende. Bis Montag warten.

Der Blog-Schurke fragt sich, was wohl die anderen machen. Aber eigentlich interessieren die ihn jetzt auch gar nicht. Vor allem nicht die Hauptamtlichen, die Juristen und Juristinnen, die sich meist doch eher mit Recht als mit Politik beschäftigen. Und obwohl er sich sympathischere Gestalten zu so später Stunde vorstellen könnte, erscheinen dem nächtlichen Law-Surfer im Dämmerzustand nun die Abordnungen von Rechtsanwendern. Mit der Gesetzessammlung unter dem Arm, wie festgewachsen. Ganze Legionen blutleerer Subsumtionsautomaten marschieren da vor dem inneren Auge vorbei, auf die Stirn den Befehl tätowiert, dem zu folgen heilige Pflicht ist: „h.M.“!

Unser Ärmster wähnt sich umzingelt und will fliehen. Seine Glieder geben dem Impuls nach, suchen fahrig nach Fluchtwegen, seine Finger halten sich an Tastatur und Maus fest, und so wird ihm das kleine Rädchen zum Fluchtgefährt, immer schneller scrollt der Verfolgte voran, jegliche Kraft im Zeigefinger konzentriert. Der Mechanismus eröffnet ihm einen Weg, schon flammt Hoffnung auf. Doch es gibt kein Entkommen. Sie sind überall, er spürt bereits den eisigen Hauch der Hemd- und Blusen-Wesen in seinem Nacken. Doch seine Sinne sind noch nicht vollends verloren, sein Zeigefinger bäumt sich ein letztes Mal auf. Im Moment der größten Verzweiflung erscheint plötzlich eine Hand, umfasst den geschundenen Finger und zieht ihn mit sich. Der Flüchtende weiß nicht, wie ihm geschieht, kann an eine Rettung nicht glauben, bis sein Ohr eine sanfte Stimme trifft: „Du bist in Sicherheit.“

Nur langsam erholt sich der nun Gerettete, schaut sich um, sieht immer noch verzerrte Bilder. Nach und nach erkennt er, wo er hier gelandet ist. Die Erkenntnis manifestiert sich in drei großen Buchstaben, er befindet sich in den Gefilden der „ASJ“. Niemand muss ihm jetzt noch sagen, wer ihm die Horden der Plastikfrisuren vom Leib gehalten hat, es waren die „Anarcho-Syndikalistischen JuristInnen“. Diese kleine aber unbeugsame Truppe hat ihn auf ihre Seite gezogen.

Der Blog-Schurke schläft erschöpft ein, froh darüber, den grässlichen Traumbildern entronnen zu sein. Seine Glieder entkrampfen sich, die rechte Hand umhüllt die Maus, die linke fällt auf die Tastatur und drei Finger weisen auf drei Buchstaben, A – S – J. Die Suchmaske bleibt leer, mögen diese Lettern am nächsten Tag dort Eingang finden. Für diese Nacht haben sich die Traumbilder bereits verflüchtigt.

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1 Antwort auf “Nächtliches Kürzelchaos”


  1. 1 fiaskojoke 01. Februar 2010 um 18:20 Uhr

    mehr davon!

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