Die Sorge eines Arbeitsrechtlers um die Disziplin in den Betrieben

In letzter Zeit liest man immer wieder von Fällen, in denen MitarbeiterInnen wegen Bagatelldelikten Kündigungen ausgesprochen werden. Der Fall der Kassiererin Emmely z.B. erregte einige Aufmerksamkeit.

In einem anderen Fall war einer Altenpflegerin fristlos gekündigt worden, die in einem Pflegeheim abends vier Maultaschen mitgenommen hatte, um sie selbst zu essen. Bei sueddeutsche.de erschien heute ein Interview mit einem Arbeitsrechtler der LMU München, der zu diesem Fall und auch zu weiteren Fällen Stellung nimmt. Dabei macht er keinen Hehl aus seiner Überzeugung:

Soweit mir der Fall bekannt ist, argumentiert die Pflegerin so: Da sie noch zu einer betriebsinternen Fortbildung musste und keine Zeit für eine Fahrt nach Hause hatte, habe sie sich bei den Maultaschen bedient. Dabei ist es doch ihr Problem, wie sie ihren Alltag so organisiert, dass sie genug zu essen bekommt. Sie kann sich doch nicht einfach beim Arbeitgeber bedienen, nur weil sie Hunger hat!

Da haben die Leute einfach so Hunger! Und das vielleicht sogar noch während der Arbeitszeit! Außerdem sorgt sich der Professor für Arbeitsrecht auch noch um die Disziplin in den Betrieben:

Es kann doch niemand ernsthaft behaupten, dass es in Ordnung wäre, nach 30 Jahren Tätigkeit mal etwas mitgehen zu lassen. So etwas wirkt sich fatal auf die Disziplin in Betrieben aus, das bedeutet: Feuer frei für Diebe! Dann sind wir auch irgendwann so weit, dass die Leute glauben, sie müssten gar nicht mehr richtig arbeiten.

Das ganze Interview mit diesem Arbeitsrechtler auf seinem Feldzug für Disziplin, Anstand, Arbeitsmoral und überhaupt die allgemeine Zurichtung der Menschen fürs Arbeitsleben gibt es hier:

Arbeitsrechtler im Interview: „Wer klaut, gehört gekündigt“ (sueddeutsche.de vom 22.09.2009)

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1 Antwort auf “Die Sorge eines Arbeitsrechtlers um die Disziplin in den Betrieben”


  1. 1 jean 24. September 2009 um 17:08 Uhr

    das ist ein paradebeispiel für einen arbeitsrechtler an einer juristischen fakultät. einer vom gleichen schlag schwadroniert auch an der uni münster!

    in diesen zusammenhang passt ein urteil des lag hamm zum sog. „brotaufstrich-fall“, das vor einer woche die entscheidung des arbg dortmund zur unwirksamkeit der kündigung eines bäckers bestätigt hat.
    zwar geht es hierbei noch um die besonderheit einer außerordentlichen kündigung eines betriebsratsmitglieds, bei der eine interessenabwägung zu erfolgen habe. und diese fiel aufgrund einer geringfügigen sache zugunsten des betroffenen aus.

    doch ob diese rechtsprechung auch auf ‚normale‘ arbeitnehmer anzuwenden ist, bleibt abzuwarten. vermutlich werden sich weiterhin die unternehmen auf diese weise unliebsamer angestellter entledigen können. in einem gewinnorientierten wirtschaftssystem aber völlig normal… schließlich gibts genug menschenmaterial – die dann brav die schnauze halten!

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