BAKJ-Kongress in Münster

Kongress-Ankündigung (via BAKJ):

Vom 2. bis 4. November 2007 findet im Internationalen Zentrum der Universität Münster der nächste BAKJ-Kongress statt. Unter dem Titel „Bist du sicher?“ wird es verschiedene Arbeitsgemeinschaften zu den Themen Strafvollzug, Kriminalpolitik und soziale Kontrolle geben. Veranstaltet wird der Kongress von den Kritischen Juristen und Juristinnen Münster.


Programm

Freitag, 02.11.2007
17.00 h: Anreise
18.00 h: Abendessen
19.00 h: Plenum
20.00 h: Eröffnungsvortrag mit anschließender Diskussion

Samstag, 03.11.2007
08.30 h: Frühstück
10.00 h: AG-Vormittagsblock
13.00 h: Mittagessen
15.30 h: AG-Nachmittagsblock
18.30 h: Abendessen, im Anschluss Stadtrundgang. Abends Kongressparty im Club Courage, Friedensstraße 42.

Sonntag, 04.11.2007
10.00 h: Frühstück
11.00 h: Plenum
13.00 h: Abreise

Eröffnungsvortrag

Jenseits von law and order-Politik wird der empirischen Kriminologie der Status einer aufgeklärten Wissenschaft zugeschrieben. Das Wissen über „Ursachen des Verbrechens“, die Leute zu „Verbrechern“ machen, wird für eine Anleitung gehalten, das Verbrechensproblem zu lösen. Der Vortrag wird auf der Basis kleiner Studien (wie zum Beispiel das Schulschwänzen als Ursache einer Karriere als „Intensivtäter“) darlegen, dass sich Kriminologie wegen ihrer Verwissenschaftlichung, mittels der Erforschung der „sozialen Ursachen“ und durch ihr populistisches Präventionsunternehmertum zu einer Kontrollwissenschaft entwickelt. Wissenschaft kann daher nur in einer Kritik von Kriminologie und der Kategorien „Verbrechen & Strafe“ bestehen.

Helga Cremer-Schäfer, Frankfurt a.M.

AG 1: Jugendstrafverteidigung in der Praxis

In den Schlagzeilen lesen wir ständig von jugendlichen Intensivtätern, „Flatrateparties“ und ähnlichem. Auf der anderen Seite gibt es nicht genügend speziell ausgebildete Jugendrichter und Jugendstaatsanwälte. Jugendliche bleiben oftmals unverteidigt, was auch an der fehlenden Bereitschaft zu einer Pflichtverteidigerbeiordnung liegt. Wie aber ist es um die „Jugend von heute“ tatsächlich bestellt? Was sind eigentlich die Aufgaben eines Jugendstrafverteidigers, der ebenfalls die pädagogische Situation im Blick haben sollte? Was bedeutet der „Erziehungsgedanke“ im Jugendstrafrecht? Ist Jugendstrafverteidigung eine Verteidigung „zweiter Klasse“?

Rechtsanwältin Sabine Birken, Münster

AG 2: Exklusion unter neoliberalen Bedingungen

Der Abschied vom wohlfahrtsstaatlichen Integrationsmodell hat zu einer zunehmenden Prekarisierung breiter Bevölkerungsteile geführt. Mit diesem sozialen Ausschluss einher geht ein grundlegender Wandel von Sozialkontrolle hin zu einer neoliberalen Kriminalpolitik. Statt disziplinierendem Einschluss greift man zunehmend auf Ausschlussmechanismen zurück, um die öffentliche Sicherheit gegenüber gesellschaftlichen Risikoträgern zu gewährleisten. Ständig werden Strafrechtserweiterungen vorgenommen. Das Konzept des Feindstrafrechts bietet gar bereits eine dogmatische Grundlage, um Menschen vollständig vom Rechtssystem auszuschließen. In der AG sollen diese Mechanismen beleuchtet sowie diskutiert werden, was für eine Bedeutung diese Entwicklungen für das Selbstverständnis der „Rest-Gesellschaft“ haben.

Daniela Klimke, Hamburg

AG 3: Kommunale Kriminalpolitik: Raumproduktionen in „kleinen Einheiten“

In den letzten Jahren gewinnen Ansätze zur Kriminalitätsverhütung an Bedeutung, die aktivierend und gemeinschaftlich ausgerichtet sind und räumliche Bezüge auf mindestens zwei Ebenen aufweisen: Zum einen in Form so genannter Präventionsgremien auf (sub-)kommunaler Ebene, in denen lokale Akteure zum Zweck der Kriminalprävention kooperieren. Zum anderen durch verstärkt raumbezogene Präventionsmaßnahmen, deren Konzepte zum Großteil aus den USA übernommen werden: Die vielbeschworene „broken-windows- These“, das Konzept des „defensible space“ oder die Vorstellung einer „kriminalpräventiven Siedlungsgestaltung“. Wir gehen diesen Konzepten nach und diskutieren, welche Funktionen solche Verräumlichungen erfüllen und welche Auswirkungen sie auf Gesellschaft haben.

Verena Schreiber, Frankfurt a.M.

AG 4: Staatliche Repression im Umfeld des G 8-Gipfels

Nach den umfangreichen Hausdurchsuchungen im Vorfeld und den gewalttätigen Auseinandersetzungen bei den Demonstrationen während des G8-Gipfels in Heiligendamm, sind in den vergangenen Wochen die ersten Urteile in den Strafprozessen gegen einzelne DemonstrantInnen gesprochen worden. Die Gerichte gingen in den Verhandlungen auch auf die massiven Übergriffe durch die Polizei ein. Sven Adam hat als Mitglied des Anwaltsnotdienstes (Legal Team) die Demonstrationen in Rostock begleitet und die in Gewahrsam genommenen AktivistInnen anwaltlich vertreten. Er führt zudem Musterprozesse gegen die „deeskalierenden“ Aktionen der Polizeikräfte.

Sven Adam, Göttingen

AG 5: Das Gefängnis aus der Sicht eines Gefängnisseelsorgers

Im Gefängnis zu sein – was bedeutet das? Was macht die Institution Justizvollzugsanstalt mit ihren Insassen? Ein evangelischer Pfarrer berichtet aus seiner Arbeit als Gefängnisseelsorger in der JVA Münster, stellt seine Sicht auf den Strafvollzug dar und nimmt Stellung zum Gedanken der Resozialisierung.

Dieter Wever, Münster

AG 6: Gewaltdelinquenz als feministische Herausforderung

Besonders im Bereich der Gewaltdelinquenz sind die Geschlechterverhältnisse noch in der schlechten alten Ordnung. Männer begehen Gewaltdelikte, Frauen nicht; sie sind höchstens die Opfer. Sind Frauen doch die friedlicheren Menschen? Vor allem sexualisierte Gewaltdelikte können uneindeutige Geschlechterverhältnisse klären und zur Unterwerfung des als weiblich definierten Geschlechts dienen. Ist die queer theory angesichts dessen nur Selbstbetrug? Wie reagiert der Rechtsdiskurs auf diese brutale Herstellung der Geschlechterordnung? Lässt der Bereich der Gewaltdelinquenz jedes Ansinnen, Geschlechterstereotypen zu dekonstruieren als von vornherein aussichtslos erscheinen oder bedarf es hier vielmehr verstärkter Bemühungen auch der feministischen Rechtswissenschaft?

Ulrike Lembke, Lüneburg

AG 7: Soziale Kontrolle im Wandel – Zu einem Ausschnitt gesellschaftlicher Transformationsprozesse

Im juristischen Studium wird in der Regel nur das Strafrecht als Form sozialer Kontrolle gelehrt. Die Mittel und Wege einer Gesellschaft, die Einhaltung ihrer Normen sicherzustellen, sind jedoch wesentlich vielfältiger und nur im Zusammenhang zu verstehen. Dies gilt umso mehr, als in diesem Bereich seit einigen Jahren sehr grundlegende Veränderungen zu beobachten sind, die sich vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umwälzungen vollziehen. In der Arbeitsgruppe geht hierbei um Folgendes: Was ist soziale Kontrolle, welche verschiedenen Formen gibt es? Wie und wieso verändert sich soziale Kontrolle seit einigen Jahren grundlegend? Wie sieht soziale Kontrolle angesichts dessen heute aus?

Tobias Singelnstein, Berlin

Anmeldungen an folgende Mail: bakj-kongress-2007 (-at-) web.de

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